Chronik des Gaus an Elbe, Mulde und SaaleSerimuntKöthen, Anhalt

Der Gau

Lage, Herrschaft und die Frage, wie weit Serimunt reichte

Lage

Serimunt lag am östlichen Ufer der Saale, gegenüber dem Schwabengau. Im Norden bildete die Elbe die Grenze, im Osten die Mulde, im Süden die Fuhne. Nördlicher Nachbar war der Gau Zerwisti um Zerbst, östlicher der Gau Nizizi, im Süden lag Coledici. Im Westen grenzten jenseits der Saale der Schwabengau und der Nordthüringgau an.

Die Saale war dicht besiedelt, an der Mulde gab es nur wenige Siedlungen, dazwischen lag ein großes siedlungsfreies Gebiet. Serimunt war deshalb überwiegend unbewohnt.

Nach Klauß (Skizzen 8 und 9) und dem Wikipedia-Artikel zum Gau Serimunt.

Herrschaft

Bis zur Mitte des 10. Jahrhunderts eroberte Markgraf Gero das Gebiet und unterstellte es der unmittelbaren Herrschaft König Ottos I. 945 war Christian Markgraf im Gau Serimunt. Nach ihm folgten sein Sohn Thietmar I. († 979) und Gero II. († 1015).

Heßler kommt zu dem Schluss, dass Serimunt zwischen 974 und 979 geteilt war: Graf Hodo hatte den nördlichen Teil, der sehr wahrscheinlich dem Bezirk Zitici entspricht, im südlichen Serimunt wird Graf Thietmar genannt. Klein Rosenberg an der Saalemündung liegt in Hodos Teil, wird aber ausschließlich zu Serimunt gerechnet. Heßler folgert, dass der Name Serimunt auch das Gebiet von Zitici umfasst hat. Die Magdeburger Geschichtsblätter von 1875 sehen das anders: Hodo habe Rosenburg und Zuchau nur als kaiserliches Lehen innegehabt, daraus folge keine eigene Grafschaft.

Heinemann (1864) beschreibt, wie sich die Grafschaften wieder vereinigten: Nach Hodos Tod 993 war der ganze Gau wieder unter Gero. Als Hauptmalstätte sieht er Wörbzig bei Köthen. Die Geschichtsblätter nennen 1333 „comicia in Worbez“ und sprechen von einem kirchlichen Bann Köthen im Gebiet des Gaus.

Nach dem Wikipedia-Artikel zum Gau Serimunt, Heßler 1957, S. 33, Heinemann 1864, S. 9, Geschichts-Blätter für Stadt und Land Magdeburg, Band 10, 1875, S. 4.

Wie kamen die Askanier nach Serimunt?

Esiko von Ballenstedt ist der älteste namentlich bekannte Askanier und war Graf im Schwabengau und im Gau Serimunt. Nach Heinemann war seine Mutter die Tochter des Markgrafen Hodo und die Erbin der ausgestorbenen östlichen Markgrafen. Durch sie sei ein Teil der Grafschaften an Esiko gekommen, nachdem Odo, der letzte der Linie, kinderlos gestorben war. Die einzige Urkunde, die das belege, zeige für Esiko aber nur eine Grafschaft in den südlichen, an der Fuhne gelegenen Strichen.

Assing hält den Beleg für diese Erbfolge für nicht erbracht. Zu dem Streit habe ich bisher nur Heinemanns Darstellung gelesen, nicht Assings Gegenargumente im Einzelnen.

Nach Heinemann 1864, S. 9, und Assing (val-anhalt.de).

Kloster Nienburg

Das Kloster Nienburg wurde um 975 am Westrand von Serimunt gegründet. Nach Heinemann stifteten die Söhne des Markgrafen Christian, Thietmar und Erzbischof Gero von Köln, 970 zuerst ein Kloster in Tancmaresfelde im Harz und verlegten es dann nach Nienburg an der Saalemündung. Nienburg selbst nennt er im Nordthüringgau.

Das Kloster erhielt Besitz im Gau: 978 den Burgward Grimmerslovo mit dreißig Königshufen in Grimschleben, Prüdau und Pobzig, in der Grafschaft Thiemos. 979 wird der ganze Burgward zu Serimunt gerechnet. Die Geschichtsblätter nennen für 980 siebzehn Dörfer mit dreißig Königshufen rund um Grimschleben, von denen nur Weddegast und Roschwitz als Güter bestehen.

Nach Assing (Gründung 975), Heinemann 1864, S. 9, Heßler 1957, S. 32 f. (D O II 174 und 185) und Geschichtsblätter 1875, S. 4.

Eike von Repgow

Aus dem Gau Serimunt stammt der Verfasser des Sachsenspiegels: Eike von Repgow, benannt nach dem Dorf Reppichau zwischen Köthen und Aken. Die Dingstätten des Gaus Wörbzig und Mettine kennen ihn und seine Familie als Zeugen. Mehr dazu auf der Seite Eike von Repgow.

Von Serimunt zu Anhalt

Aus Serimunt und dem Schwabengau entstand Anfang des 12. Jahrhunderts unter den Askaniern das Land Anhalt. Die Jahreszahlen gehen auseinander: Meine ältere Seite nannte 1212 und Heinrich I. als den ersten Fürsten mit dem Namen „von Anhalt“. Klauß nennt für die neue Würde „Fürst“ eine Urkunde vom 21. Februar 1215.

Nach dem Wikipedia-Artikel, meiner früheren Seite (Stand 2022) und Klauß, Köthener Wandertage.

StreitfrageWie groß war Serimunt?

Die Quellen zeichnen sechs verschieden große Gaue.

Schöttgen und Kreysig (1731) halten fest, dass der Gau einen großen Teil des damaligen Fürstentums Anhalt umfasste. Sie fragen sich, ob es nicht zwei Gaue dieses Namens gegeben habe, weil die Urkunden von 952 und 964 das ganze Land Serimunt verschenken, spätere Schenkungen im Gau aber noch einzelne Orte vergeben. Die Schenkung von 973 liegt nach ihnen im Gau Coledici, nördlich davon Serimunt.

Heinemann (1864) gliedert einen großen Gau Serimunt in Untergaue: Serimunt im engeren Sinn im Nordwesten, Zitice im Westen und Coledizi im Süden längs der Fuhne.

Die Magdeburger Geschichtsblätter (1875) lassen Zitice und Choledici nicht als selbständige Gaue gelten. Die Fuhne ist für sie die Südgrenze: „Der Gau Serimunt schnitt genau mit der Fuhne ab.“

Größler (1905) unterscheidet Serimunt im weiteren und im engeren Sinn. Im weiteren Sinn umfasst es das Land zwischen Saale, Elbe, Mulde und Fuhne. Im engeren Sinn ist es das Land zwischen dem Pfuhlschen Busch, der Saale, der Elbe, der Mulde und der Ziethe, die es vom Untergau Kolodizi trenne. Den nordwestlichen Winkel zwischen Saale und Elbe hält er wegen Zuchau („in pago Zitrici“, 978) für einen kleinen Untergau Zitrici. Das Zitici von 945 mit Tribunice setzt er dagegen im Norden bei Trebnitz und Könnern an, getrennt von Serimunt durch die Pfuhlsche Aue. Die Gaue Serimunt und Kolodizi bildeten nach ihm zusammen den Archidiakonat oder Bann Köthen.

Klauß (1929) zeichnet ein großes Serimunt von der Elbe bis an die Linie Löbejün, Priesdorf mit den Dörfern Cörmigk, Gerlebogk, Edderitz, Piethen, Görzig und Kattau.

Heßler (1957) nennt es das „verhältnismäßig kleine Serimunt“. Seine Karte zeigt nur einen Streifen an der Saale um Pobzig, Wohlsdorf, Biendorf und Weddegast, dazu Zuchau, Grimschleben und Klein Rosenberg. Edderitz und seine Nachbarn liegen bei ihm in Coledici.

Für die Seite folgt die Ortsliste Klauß, die Zuordnung aber den Urkunden und Heßler. Siehe Orte.

Orte im Gau Serimunt nach den Quellen Karte der Dörfer zwischen Elbe, Saale, Mulde und Fuhne. Gefüllte rote Kreise: Orte, die Heßler und Klauß zu Serimunt rechnen. Hohle rote Kreise: Orte nur bei Klauß oder in Urkunden. Dunkle Quadrate: Orte, die nach den Urkunden in Coledici liegen. Elbe Saale Mulde Fuhne Bode Nienburg Bernburg Köthen Dessau Aken Barby Calbe Zerbst Könnern Edderitz Piethen Görzig Kattau Gnetsch Dröbel Roschwitz Baalberge Großpaschleben Plömnitz Wulfen Kochstedt Krüchern Cörmigk Gerlebogk Kühnau Wispitz Wedlitz Zuchau Grimschleben Pobzig Weddegast Wohlsdorf Biendorf Rosenburg
Die Orte nach den Quellen

Die Karte zeigt, wo die Dörfer heute liegen, und färbt sie nach der Zuordnung der Quellen. Rote Kreise sind Orte, die Klauß und Heßler zu Serimunt rechnen, hohle Kreise Orte, die nur bei Klauß oder in Urkunden dazu gehören. Wispitz, Wedlitz, Zuchau und Rosenburg liegen nach Heßler im Untergebiet Zitici. Die Quadrate liegen nach der Urkunde von 973 in Coledici.

Gaugrenzen sind nicht gezeichnet, weil keine Quelle sie so festlegt, dass man sie auf eine heutige Karte übertragen könnte. Stene (wüst bei Dessau) und die Wüstungen Trabitz, Zieglitz und Prüdau fehlen, weil es dort keinen Ortspunkt gibt.

Ortspunkte: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL). Gewässer: © GeoBasis-DE / BKG (dl-de/by-2-0). Zuordnung nach Klauß 1929, Heßler 1957, Schöttgen/Kreysig 1731 und den Geschichtsblättern 1875.