Chronik des Gaus an Elbe, Mulde und SaaleSerimuntKöthen, Anhalt

Orte

Dörfer, Wüstungen und Wallburgen im Gau, nach fünf Quellen verglichen

Die Tabelle stellt die Orte nebeneinander. Klauß (1929) ist die Grundlage der Liste. Die Spalte Urkunden fasst zusammen, was Schöttgen und Kreysig (1731) und die Magdeburger Geschichtsblätter (1875) aus den Urkunden berichten. Heßler (1957) zeigt, wie seine Karte die Orte zuordnet. Die letzte Spalte sagt, zu welchem Gau der Ort gerechnet wird.

Die Jahreszahlen bei Klauß sind die Zahlen auf seiner Skizze 9, einzelne sind in der Handschrift schwer lesbar. Wo ein Feld „–“ zeigt, nennt die Quelle den Ort nicht oder ich habe ihn dort nicht gefunden. Gnetsch ist bei Klauß Wallburg 7, nach der Urkunde von 981 liegt es in Coledici.
OrtKlauß 1929UrkundenHeßler 1957Gau
Rosenburg (Klein)965965 Hof Rosburg an Magdeburg; 973 und 992 in der Grafschaft HodosKlein Rosenberg, Graf Hodo 974 (D O II 82); KarteSerimunt
Wispitz951951/952 Mark WisepiciMutterdorf der Mark; KarteSerimunt
Wedlitz951951/952 Mark WitowliciMutterdorf der Mark; KarteSerimunt
Zuchau978978/979 Mark Zucha „in pago Zitici“, Graf Hodo; zum Burgward Rosenburg gehörig979 (D O II 193); KarteZitici (Nordteil)
Grimschleben937937 „Grimhereslebu“ (unsicher); 978 Budizko, jetzt Grimmerslovo; 980 Castell mit 30 KönigshufenBurgward Grimmerslovo (D O II 174, 185); KarteSerimunt
Pobzig (Popzig)978978 Popouuizie978 (D O II 174); KarteSerimunt
Dröbel951965 Drogobuli zwischen Saale und Fuhne an Graf Thietmar; 952 Drogobulesthorp „vielleicht Dröbel“; Größler 1905: 965 Drogobuli ist Dröbel, 951 Drogobulesthorp nicht, weil der Burgward Grimschleben dazwischen liegtReischels Gleichsetzung mit Dröbel hält Heßler für fraglichSerimunt (Klauß)
Weddegast979979/980 Wedigast bei Bernburg, noch als Gut vorhandenKarteSerimunt
Roschwitz979979 Rokwik; liegt jetzt links der Fuhne, früher vielleicht rechtsRusocouuiki? Serimunt reicht hier vielleicht über die FuhneSerimunt (Klauß)
Wohlsdorf986986 Zitowe (Kloster Walsrode) = Wohlsdorf an der Ziethe; bei Schöttgen/Kreysig Zostouwe/WalstorpKarteSerimunt
Biendorf974974 Byendorp in pago Serimode; 975 bei Schöttgen/Kreysig; an der Ziethe westlich KöthenKarteSerimunt
Wulfen995995 Castell Vulva mit Bodendorf, Markgraf Gero (Urkunde nennt keinen Gau, ausgestellt im Tollenseland)Megalith-Ganggrab (Klauß)Serimunt (Klauß)
Libbersdorf, Trebbichau–Curs 1908 führt sie als Orte des Gaus („Lizstidesthorp“, „Trebucouuici“); die Urkunde dazu habe ich nicht ermittelt–Serimunt (Curs)
Kühnau945945 Quena/Qvigna, später Kühne–Serimunt
Stene (wüst)945945 Steno, wüst südlich Dessau an der Mulde–Serimunt
Baalberge, Großpaschleben, Plömnitz961, 1050, 1110––Serimunt (Klauß)
Cörmigk, Gerlebogk, Kochstedt, Krüchern, Bodendorfohne Jahr––Serimunt (Klauß)
Ankendorf (wüst)–980 Wüstung bei Grimschleben–Serimunt
Wieskau, Plötz, Zeundorf, Bochitz–945 vier Dörfer „in pago Serimuntilande“ am Fuhnebruch; Plötz am SüdrandBodblozi südlich Preußlitz beim Gau Coledici behandeltSüdrand, unsicher
Edderitz, Piethen, Görzig, Kattau973973 Marken im Gau ColediciColediciColedici
Gnetsch (Wallburg 7)Wallburg 7981 Mark Gunnete „im Coledizi“–Coledici
Trabitz, Zieglitz, Prüdau, Lazez (wüst)–945 Tribunice in Zitice (Heinemann: Trebnitz, Geschichtsblätter: Trabitz); 978 PruduaWüstungen; Prüdau und Lazez zählt er zu den Gauorten, Trabitz und Zieglitz sind bei ihm VermutungenSerimunt (Heßler)

Zu Edderitz, das nach der Urkunde von 973 im Gau Coledici liegt, gibt es eine eigene Seite.

Die Nummern 1 bis 15 auf Heßlers Karte stehen für weitere Orte im Gau. Die Liste dazu steht in seinem Buch, ich habe sie noch nicht.

BurgenSlawische Wallburgen

Klauß verzeichnet auf Skizze 9 neun slawische Wallburgen nach Robert Schulze. Einige sind noch heute sichtbar. Die Anlage in Cösitz, die Kesigesburch, ist besonders gut erhalten. Bei Schloss Köthen zweifelt Klauß selbst.

  1. Wächterburg Diebzig
  2. Jägerfriedhof bei Lödderitz
  3. Lorf bei Aken
  4. Schloss Köthen (fraglich)
  5. Zehringer Busch
  6. Merziner Solbusch
  7. Gnetsch
  8. Groß Weißandt
  9. Kösitz (Cösitz), Kesigesburch

NamenWas die Dorfnamen bedeuten sollen

Gustav Hey hat 1905 für Anhalt die Namen der Dörfer aus dem Slawischen gedeutet. Die Deutungen sind über hundert Jahre alt und teilweise Vermutungen. Hey nennt oft Familien- und Personennamen: Ein Ortsname auf „-ici“ bedeutet danach „Leute des …“.

Nach Gustav Hey, Die Siedelungen in Anhalt, 1905. Die älteren Formen stehen so, wie Hey sie nennt.
OrtÄlteste FormenDeutung bei Hey
WedlitzVuitouulici 951, Wetelyz 1328Familie des Vitovla, „gern willkommen heißend“
WispitzVuissepici 951, Wizpisht 1223, Wispiz 1275Schütt- oder Werderdorf, es liegt an der Saale
Pobzig–aus „Popz“ oder „popsky“, pfäffisch, den Pfaffen gehörig
WeddegastWidogostiFamilie des Vidogost
Roschwitz–Sippe und Dorf des Rusok, des „Roten“
PlömnitzBlodemici 1110, Plodemize 1145Familie des Bludim oder Plodim
KühnauQuigina, Qiuna 945, Cuine 1145Kiefern- oder Fichtenbusch („chvojina“)
Stene (wüst)Stene 1360Standort, Wehrplatz („stany“)
EdderitzEzeri 973?, Ezericko 983, Izerizke 1145„großer Teich“, Ort am großen Teich („jezerisko“)
PiethenBiteni 973, Pitni 1024Familie des Bityn, des „Schlägers“
KattauKoteuui 973, Cotowa 1024vom Personennamen Kot
GnetschGnez 1275, Gnitz 1357Familie des Gnědec, des „Braunen“

Für Edderitz nennt meine frühere Seite nach dem Ortsnamenbuch des Mittelelbegebiets (Bily) eine Übersetzung aus dem Sorbischen mit „See“ oder „Modder“. Das deckt sich im Kern mit Heys „Teich“.