Schreibweisen
In den Originalurkunden steht der Name in vielen Formen. Heßler nennt für den Gau: 973 Sirmunti, 974 Sirimunti, 978 Zirmute, 979 Sirmuti und 992 Sirimuti. Für 974 nennt er daneben Seremode. In den Urkundenauszügen der älteren Literatur kommen Seromunti (945), Siremunti (980), Zirimudis (986) und Serimuntilande hinzu.
Die früheste Überlieferung im Original ist die Form „in pago Serimuntilante“ der Urkunde vom 11. Juni 945 für Folcmar und Richbert (D O I 69 nach Schetter). Die Urkunde vom 1. Mai 945, die älteste Nennung überhaupt, schreibt „Seromunti“ und ist nur als Abschrift erhalten. Die heute gebräuchliche Form Serimunt ist ihr entlehnt, aber ohne den auslautenden Vokal, der im 10. Jahrhundert nie fehlt. Heßler vergleicht den Schwund des n vor t mit Chuntici und Chutizi.
Heßler 1957, S. 32 (Fußnote 2); Geschichtsblätter Magdeburg 1875, S. 4; Schöttgen/Kreysig 1731, S. 416.
Deutungen von 1731
Schöttgen und Kreysig kennen zwei ältere Meinungen und lehnen eine ab. Man habe den Gau Serimunt bei Sarmund in der Mittelmark zwischen Belitz und Berlin gesucht. Das halten sie für falsch, weil Sarmund ein deutsches Wort ist: Der Ort liege dort, wo die Sare in die Nuthe fließe. Die Wenden hätten ihren Orten keine deutschen Namen gegeben.
Paullini leitete den Namen vom Fluss Zere in der Altmark und einem Dorf an ihm ab, dem schloss sich Leutinger an. Das erwähnen die Autoren, ohne es zu bewerten.
Schöttgen/Kreysig, Diplomatische und curieuse Nachlese, 1731, S. 417.
Saalmünde?
Die Magdeburger Geschichtsblätter von 1875 schreiben, der Name klinge „fast deutsch“, und es sei „bestechend“, ihn durch „Saalmünde“ zu erklären. Dagegen spreche, dass der Name auch einer Mark im Süden von Köthen gegeben wurde, der Mark Serimode.
Geschichts-Blätter für Stadt und Land Magdeburg, Band 10, 1875, S. 4.
Ein Ort Serimode bei Köthen
E. Blume deutet 1887 die Mark Serimode der Urkunde von 973 als Feldmark eines Ortes Serimode. Dieser liege nördlich von Edderitz jenseits der Pilsenhöhe, also in der Gegend des heutigen Köthen. Seine Begründung: Für den politischen Begriff gebrauchen die Urkunden den Pagus Serimunt oder Serimode, und in der Urkunde von 973 sind mit „marchae“ sonst überall Feldmarken gemeint.
Daraus vermutet Blume, der Ort habe ursprünglich Serimode oder Serimunt geheißen und die Landschaft sei nach ihm benannt worden, wie die Landschaft Zerwisti nach der Stadt Zerbst. Später sei vom „Land Köthen“ die Rede, im Umfang des alten Gaus. Die Geschichtsblätter von 1875 sehen die Mark Serimode in der Nähe der Pilsenhöhe, nördlich vor Baasdorf.
E. Blume, Zur Geschichte der Stadt Köthen, in: Mittheilungen des Vereins für anhaltische Geschichte und Altertumskunde, Band 5, 1887, S. 165.
Ein slawischer Personenname?
Karl Schulze deutet den Namen in seiner Antwort auf Erklärungen anhaltischer Ortsnamen von Professor Seelmann slawisch: Serimunt gehe auf „Žeromuty“ zurück, die Familie des Žeromut. Der Name setze sich aus tschechisch „žer“ (Fraß) und altschechisch „mutiti“ (herumrühren) zusammen und bezeichne das Kind, das im Essen herumrührt. Den Untergau Coledici leitet er von der Sippe des Koleda ab, vielleicht zu „koleda“ (Neujahrstag, Weihnachtsumgang).
Das ist eine Deutung des 19. Jahrhunderts in einem Streit um Ortsnamen. Ob sie sprachwissenschaftlich trägt, kann ich nicht beurteilen. Schulze hält die Namen vieler Dörfer in Anhalt für Namen von Sippen und Personen: Görzig (973 „Gorizka“) deutet er als „Bergdorf“, Pobzig als Dorf der Pfarrleute („popovici“, Priesterdorf), Gnetsch als Besitz des „Gnědec“, des Braunen.
Karl Schulze, Bemerkungen zu den Prof. Dr. Seelmann gegebenen Erklärungen (188?); Wiederabdruck in: Mitteilungen des Vereins für Anhaltische Geschichte und Altertumskunde, 1898, S. 42.
Ein deutscher Name auf „-mund“?
Gustav Hey, der Anhalts Ortsnamen 1905 gesammelt und erklärt hat, hält den Namen für nicht slawisch. Die Formen Serimuntilant, Seromunti, Serimunt, Sirimunti, Sirmunti, Sermunde, Serimode, Seremode und Zirmute aus den Urkunden von 945 bis 992 ließen sich „aus dem Wendischen nicht wohl erklären“. Sie passten aber zu althochdeutschen Ortsnamen auf „-mund“, Mündung: Bocklemünd bei Köln, Werkenemunde, Masamuda (Maasmündung) und Tongeremuthi, das heutige Tangermünde. Auch Sermuth an der Vereinigung der Freiberger und der Zwickauer Mulde gehört für ihn dazu. Das erste Namensglied sei „leider dunkel“.
Das trifft sich mit dem Hinweis der Geschichtsblätter von 1875 auf „Saalmünde“. Es gäbe dann eine Mündung als Namensgeber, aber welcher Fluss und welche Silbe vorn steht, bleibt offen.
Gustav Hey, Die Siedelungen in Anhalt, Ortschaften und Wüstungen mit Erklärung ihrer Namen, 1905, Einleitung.
Eine slawische Form: Žirmunty
Ältere tschechische und russische Forscher geben den Namen als slawische Form „Žirmunty“ wieder, so Pavel Josef Šafařík in den Slawischen Alterthümern (1843), die Petersburger Akademie 1859 und Lubor Niederle 1919. Niederle stellt die Urkundenformen Sermunti, Serimunt, Seromunti, Sirmunti, Serimode, Seremode und Zirmute zusammen und nennt „marcha Serimode“ in der Urkunde Ottos II. von 973. Die Zeitschrift Slavia (1923) führt die Formen Seromunti und Serimunti-land (945), Serimunt (951), Sirimunti (973) und Serimunti (992) unter dem Stichwort Nasalvokal auf.
Šafařík, Slawische Alterthümer, 1843, S. 513; Mémoires de l'Académie impériale des sciences de Saint-Pétersbourg, 1859; Niederle, Původ a počátky Slovanů západních, 1919, S. 261; Slavia, Band 2, 1923. Ich habe diese Stellen nur als Textausschnitte gesehen, nicht im Zusammenhang gelesen.
Neuere Namenforschung
Walter Wenzel zählt Serimunt 2020 zu den vorslawischen Gebietsnamen. In seiner Einteilung altsorbischer Namen nennt er „Serimunt, ein Gau w. Dessau“ ausdrücklich unter den vorslawischen Namen, neben dem Großgau Daleminze. Eine ausführliche Deutung des Wortes gibt er dort nicht. Damit steht die jüngere Forschung eher bei Hey als bei Schulze und Šafařík, bewiesen ist das noch nicht.
Einen Aufsatz eigens zum Namen schrieb Horst Naumann: „Serimunt – Sermuth. Ein Beitrag zur Namenkunde“, Wissenschaftliche Zeitschrift der Karl-Marx-Universität Leipzig, 1961. Er stellt den Gau also neben Sermuth an der Mulde, wie Hey. Den Aufsatz selbst habe ich nicht lesen können, ich kenne nur den Titel aus dem Nachruf von Uwe Schirmer im Neuen Archiv für sächsische Geschichte.
Gerhard Köbler führt in seinem Verzeichnis der Mulde-Namen für Serimunt diese Formen: Serimuntilante, Serimode, Sirmuntus, Serimuntus, Seremode, Zirmuti, Sirmutus, Sirimuntus, Seromuntus, Zirimuodis. Als Literatur nennt er unter anderem Otto Curs, Deutschlands Gaue im zehnten Jahrhundert (1908, S. 19), Heßler 1957 (S. 32 und 151) und Peter von Polenz, Landschafts- und Bezirksnamen im frühmittelalterlichen Deutschland (1961). Köblers Liste stimmt Form für Form mit dem Verzeichnis von Otto Curs (1908) überein, ist also keine unabhängige Zählung. Curs nennt 13 Belege, zwölf für den Gau und einen für die Mark Serimode (973). Weder Curs noch Köbler geben zu den einzelnen Formen die Jahreszahl an, sie ersetzen keine Urkundenstelle. Polenz habe ich nicht gefunden, sein Buch von 1961 ist online nicht lesbar.
Walter Wenzel, Die Klassifizierung altsorbischer Orts-, Personen- und Stammesnamen, Lětopis 67, Heft 1, 2020, S. 101 bis 111, hier S. 110. Uwe Schirmer, In memoriam Horst Naumann, Neues Archiv für sächsische Geschichte. Gerhard Köbler, Die Mulde in der deutschen Landesgeschichte, Online-Ausgabe 2016, Stichwort Serimunt.
Eine gesicherte Deutung des Namens habe ich bisher nicht gefunden. Die älteren Vermutungen oben widersprechen sich: ein deutscher Name auf „-mund“ (Hey), ein slawischer Personenname (Schulze) oder ein Ortsname Serimode (Blume). Die neuere Forschung (Wenzel, Naumann) hält den Namen für vorslawisch. Wer weiß, wie der Name sprachlich entstanden ist, kann mir gern schreiben.